Vorbemerkung: Das Heartland Institute ist eine libertäre Denkfabrik in den USA, die den von uns verursachten Klimawandel vehement abstreitet. In Deutschland eifert ihnen "EIKE" - das "Europäische Institut für Klima und Energie" nach und zwar mit den gleichen falschen Behauptungen, wie in EIKES aktuellen Verlautbarungen nachzulesen ist.

In Briefkästen vieler Lehrer, die in den USA naturwissenschaftliche Fächer unterrichten, landete in letzter Zeit ein Pamphlet vom Heartland Institute mit dem Titel "Warum sich Wissenschaftler bei der globalen Erwärmung nicht einig sind." Die Lüge im Titel gibt bereits eine gute Vorschau auf den Inhalt des Buchs. Die zahlreichen spezifischen Mängel dieser nadelstichartigen Attacken auf den wissenschaftlichen Konsens verschleiern den grundsätzlichen Fehler: das Fehlen einer in sich stimmigen Erklärung der Klimadaten.

heartland word cloud

Ein Wortkessel ist noch keine Geschichte. (Diese Wörter stammen aus dem Heartland Pamphlet.)

Die zwei wesentlichen Zutaten der Wissenschaft sind die Erhebung von Daten und eine in sich stimmige Erklärung dafür, was uns diese Daten zeigen. Die fortwährenden Attacken von Heartland versagen beim zweiten Punkt auf ganzer Linie. In all den Jahrzehnten, in denen Heartland seine Agenda im Interesse der fossilen Energien vorangetrieben hat, blieb es immer eine schlüssige Erklärung dafür schuldig, was die aktuelle und vorangegangene Klimaveränderungen bewirkt hat. Das gilt auch für alle seiner Helfershelfer (Benestad et al. 2015). Wie viele andere, die wissenschafltiche Erkenntnisse leugnen, verwechseln sie Wissenschaft mit dem Sammeln von Daten. Sie glauben tatsächlich, dass eine Erklärung durch das Entdecken eines falsch gesetzten Kommas in Miskredit gebracht werden kann.

Wissenschaftler aus vielen Gebieten haben Berge von Daten über die Veränderungen des globalen Klimas zusammengetragen. Sie haben die weit über hundert Jahre alte Hypothese systematisch verfeinert, dass Treibhausgase für die globale Temperatur mit verantwortlich sind (Arrhenius 1896). Diese Hypothese hat sich mittlerweile zum bekannten Konsens entwickelt, dass die jüngste massive Zufuhr von zusätzlichem Kohlendioxid zu unserer Atmosphäre das Klima verändert.

Wesentliche Aspekte einer anerkannten wissenschaftlichen Erläuterung sind,

(i) dass alles zu den vorhandenen relevanten Daten passt;

(ii) dass es den bekannten physikalischen Gesetzen gehorcht;

(iii) dass es auch dann noch funktioniert, wenn die Messungen besser und neue Daten hinzugefügt werden;

(iv) dass sie Vorhersagen macht, die getestet werden können. Die Erklärung für den anthropogenen Klimawandel erfüllt alle diese Voraussetzungen.

Weltweite Beobachtungen und Messungen der Temperaturen, des Aufbaus der Atmosphäre, des Abschmelzens in der Arktis, der ökologischen Verschiebungen, des Meeresspiegelanstiegs, der zunehmenden Regenintensität und des Abschmelzens der Gletscher werden alle durch die Tatsache erklärt, dass es auf der Erde wärmer wird. Außerdem lassen sich jahrtausendealte Veränderungen des Klimas, die in geologischen und glazialen Aufzeichnungen gefunden werden können, ebenfalls sehr gut durch unser stetig zunehmendes Verständnis des Klimasystems der Erde erklären.

Das Konsensverständnis des Klimawandels folgt den etablierten Gesetzen der Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Ozeanographie und anderen Disziplinen. Der Konsens hat sich durch intensive Diskussionen unter Experten aus verschiedenen Bereichen entwickelt, die alle versuchen zu verstehen, wie verschiedene Teile der Erde interagieren. Im Gegensatz zum Heartland-Ansatz beruht die reale Klimawissenschaft nicht auf phantasievollen "Zyklen" oder "interesssanten" Vorstellungen über das Verhalten von Treibhausgasen.

Neue Beobachtungen stärken und untermauern die Erkenntnisse der Klimaforschung. So konnte z. B. in einer aktuellen Studie von 37 Gletschern aus der ganzen Welt über das letzte Jahrhundert hinweg, die Abnahme bei allen bis auf einen nur durch das sich verändernde Klima erklärt werden (Roe et al. 2016).

Ein gute Geschichte darüber, wie Dinge funktionieren, macht auch Aussagen, wie sie sich in der Zukunft weiterentwickeln könnte. Auch hier hat die Klimaforschung seit den 1970er Jahren (Nuccitelli 2015) und den IPCC-Projektionen bemerkenswert gute Vorhersagen gemacht. Währenddessen sind sogar die jüngsten "Vorhersagen" von Heartlands leugnenden Freunden kläglich gescheitert.

Eine robuste wissenschaftliche Erklärung versucht, neue Informationen so zu integrieren, dass dadurch eine in sich stimmige Geschichte aktualisiert und verfeinert wird. Sie sieht nicht jedes Teilstück der Daten als ein isoliertes Ereignis, losgelöst vom Rest der Welt. Allermindestens dürfen sich Erklärungen von verschiedenen Teilen der Geschichte nicht gegenseitig widersprechen. Darüber hinaus kann eine wirklich gute wissenschaftliche Geschichte jedem - vom Kind bis zum wissenschaftlich gebildeten Erwachsenen - erklärt werden. Sie hält bereits auf einer einfachen Ebene zusammen und wird durch jede zusätzliche detailliertere Ebene verstärkt.

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Erklärung des Klimawandels - auch für Kinder verständlich

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Erklärung des Klimawandels - für Fortgeschrittene. SourceCOMET program.

Eine Kardinalregel der Wissenschaft ist, dass jeder, der eine Erklärung für die Daten angreift, eine überzeugendere Erklärung liefern muss, um sie zu ersetzen. Heartland hat kläglich dabei versagt, überhaupt eine in sich stimmige Theorie zu liefern. Deshalb attackieren sie weiterhin grundlos die Beweise und die Wissenschaftler, die diese Beweise zu einer wirklich beeindruckenden Geschichte der Erde und Projektionen für ihre Zukunft zusammengefügt haben.

Heartland ähnelt einem erbärmlichen Verwandten eines verurteilten Trickbetrügers, der vor dem Gerichtsgebäude steht und jammert, dass die Fingerabdrücke auf dem fünften belastenden Beutel mit Bargeld verschmiert waren, der Cousin 2ten Grades des Richters Glücksspiel hasst und alle Geschäftspartner des Verurteilten beteuern, dass er es nicht war.

Der Artikel im englischen Original wurde von Sarah auf Skeptical Science veröffentlicht.

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