Klimawissenschaft und Leugner
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- Erstellt am Samstag, 16. April 2011 18:43
- Geschrieben von Udo Schuldt
Klimawissenschaftler würden niemals sagen, dass sie im Besitz der Wahrheit sind. Als Wissenschaftler benutzen sie mathematische Methoden, z.B. die Wahrscheinlichkeitsrechnung, und ein Bestandteil der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist die Statistik. Sie sprechen also in der Regel davon, dass Ereignisse mit einer Sicherheit von z.B. 95% eintreten, oder dass sich in einem Zeitraum von soundsoviel Jahren die Temperatur um soundsoviel Grad IM DURCHSCHNITT erhöhen wird.

Mal ehrlich, würdest du in ein Flugzeug einsteigen, dass zu 95%iger Sicherheit abstürzt? Das heißt ja nichts anderes, dass von hundert Flügen ungefähr 95 abstürzen werden. Was bei einer so kleinen Zahl nicht immer stimmt. Es können auch nur 88 abstürzen oder aber auch 99. Je größer die Zahl wird, desto mehr werden aber die 95% erreicht werden.
Wenn du am Treibhauseffekt zweifelst schlage ich dir ein Experiment vor. Nimm zwei gleich große leere Glasflaschen. In eine dieser Flaschen füllst du Kohlendioxid. Das kannst du z.B. tun, indem du Brausepulver in einer weiteren Flasche mit etwa Wasser auflöst und das entstehende Gas mit einem Schlauch in die andere Flasche leitest. Wichtig ist, dass diese Flasche nicht völlig verschlossen ist, da sonst die Luft nicht entweichen kann, wobei die Flasche mit dem Brausepulver völlig dicht sein muss. Wenn du nun vor beide Flaschen jeweils eine deiner Nachttischlampen mit der selben Glühbirne stellst und diese einschaltest und dann nach wenigen Minuten die Temperatur in den Flaschen misst, wirst du feststellen, dass die Flasche mit dem Kohlendioxid innen viel wärmer ist als die ohne. Probiere mal! So was nennt man in der Wissenschaft einen experimentellen Beweis. Auf die Theorie folgt also der Beweis und die Schlussfolgerung. Dies wird deduktive Schlussfolgerung genannt. Eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Methode. Die Schlussfolgerung ist, dass CO2 Strahlungswärme speichert.
Dass CO2 zur Erwärmung beiträgt weiß man schon sehr lange. Svante Arrhenius stellte dies bereits im Jahr 1895 fest. Die Wirkung des Gases ergibt sich einfach aus seinen Eigenschaften, z.B. der Fähigkeit infrarote Strahlung im Wellenlängenbereich von 10 bis 20 Mikrometer aufzunehmen und aus der spezifischen Wärmekapazität.
Auch aus der Planetenbeobachtung kennt man den Effekt. Die Atmosphäre der Venus besteht zu über 90% aus CO2. Daher herrscht auf der Venusoberfläche eine Durchschnittstemperatur von +464 Grad Celsius. Ohne den Treibhauseffekt des CO2 wäre es, trotz der größeren Sonnennähe, nur -41 Grad Celsius kalt.
Also können wir folgendes feststellen. Der Treibhauseffekt des Kohlendioxid ist physikalisch bewiesen! Die Zunahme des CO2 in der Atmosphäre ist durch Messungen ebenfalls bewiesen. Diese Messungen werden seit Jahrzehnten durchgeführt. Die Zunahme der Atmosphären-Temperatur ist ebenfalls seit 1895 (etwa) erfasst worden. Wenn wir nun feststellen, dass das Jahr 2010 bisher das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen ist, wenn wir gleichzeitig wissen, dass Kohlendioxid einen höheren Treibhauseffekt hat wie Luft, wenn wir wissen, dass das Kohlendioxid durch menschliche Aktivitäten ständig in der Atmosphäre zunimmt, dann folgt daraus kausal, dass es hier einen Zusammenhang geben KÖNNTE.
Nun gehen die Wissenschaftler also daran festzustellen ob noch weitere Ursachen für die Erwärmung in Frage kommen. Da gibt es einige Möglichkeiten, z.B. Methan, ein 25mal so starkes Treibhausgas wie C02, was bei sauerstoffarmen Faulungsprozessen, z.B. in Gewässern entsteht oder in Rindermägen, oder Distickstoffmonoxid, ein 298mal so starkes Treibhausgas wie CO2, was auf landwirtschaftlichen Flächen entsteht, wenn dort Kunstdünger eingesetzt wird. Diese Dinge schauen sich die Wissenschaftler an und sie stellen fest, dass sie auch wirken.
CO2, Methan, Distickstoffdioxid, die FCKW, FKW alles sind Treibhausgase. Dies bedeutet, dass sie Wärmestrahlung aufnehmen und speichern können. Anders als Stickstoff oder Sauerstoff. Die sind strahlungsphysikalisch neutral. Obwohl die Erdatmosphäre zu 99% aus diesen beiden Gasen besteht sind sie für die Strahlungsbilanz unerheblich. Das wichtigste Treibhausgas ist aber Wasserdampf. Je wärmer die Atmosphäre wird, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen, desto wärmer wird sie. Man nennt das die Wasserdampfrückkopplung. Ohne Wasserdampf wären die Treibhausgase bei weitem nicht so wirksam. Der Wasserdampf kommt aus den Ozeanen. Empfehlenswert zu dem gesamten Thema, Strahlungsbilanz und Treibhauseffekt, ist auch folgender Artikel der NASA: http://earthobservatory.nasa.gov/Features/EnergyBalance/printall.php
Wissenschaftliche Daten, zum Beweis der Erderwärmung, werden aus sehr vielen verschiedenen Wissenschaftsbereichen gewonnen. Baumringe und Fossilien werden ausgewertet, Gletscher und Eisdicken vermessen, natürlich wird der atmosphärische Gehalt der Treibhausgase bestimmt und die globale Temperatur wird ermittelt.
Weiterhin schauen sich die Wissenschaftler natürlich die Sonne an. Gibt es möglicherweise ein Zunahme der Solarstrahlung. Das kann man für 2010 aber auch ausschließen, weil die Sonne gerade ein solares Minimum durchschreitet. Sie benutzen hierbei die induktive Wissenschafts-Methode, d.h. aus der Beobachtung wird auf eine Theorie geschlossen.
In der Methode des kritischen Rationalismus ist Wissenschaft die schrittweise Annäherung an eine absolute Wahrheit. Die Theorie ist zuerst da und wird im Nachhinein mit Kritik einer Fehlerbeseitigung unterzogen (z. B. einer empirischen Kritik durch Beobachtung). Aber die absolute Wahrheit wird eben nie erreicht. Daher sprechen Wissenschaftler nie von Wahrheit.
Der Unterschied zwischen Wissenschaftlern und den Leugnern ist, dass sich die Wissenschaftler einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung stellen, d.h. sie publizieren in Fachzeitschriften und stellen ihre Erkenntnisse zur Debatte. Auf diese Weise findet eine Überprüfung ihrer Thesen statt. Leugner leugnen, aber publizieren nicht, höchstens auf Webseiten. Ich empfehle dazu den Blog von Stefan Rahmsdorf. Er ist einer der wenigen Spitzenwissenschaftler, der sich mit den Leugnern auseinandersetzt, weil er die Gefahr erkennt, die darin steckt, wenn die Leugner Einfluss auf die Presse bekommen und die politischen Entscheidungen so beeinflussen, dass sie zu spät kommen. Leider spielt die Zeit eine große Rolle. Die Veränderungen vollziehen sich immer schneller und irgendwann wird der Klimawandel unbeherrschbar. Hier ist die Seite: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge
So in etwa funktioniert Wissenschaft. Das hat nichts mit Religion oder Glauben zu tun, sondern mit bestimmten Methoden nach denen Wissenschaft immer abläuft.
Es wird in der Debatte angemerkt, dass sich das Klima schon IMMER verändert hat, dass es schon immer besondere Kalt- und Warmphasen gab, dass es in den letzten 10 Jahren keine Erderwärmung gab, dass der CO2-Anteil in der Atmosphäre ziemlich gering ist. Es stimmt das Klima hat sich schon immer verändert, aber nur selten so schnell. Die Vorgänge die sonst das Weltklima beeinflussen sind den Wissenschaftlern auch bekannt. Diese Veränderungen sind in der Regel durch Abweichungen der Erdbahn um die Sonne und die Neigung der Erdachse bestimmt. Schnelle Veränderungen des Klimas gibt es bei großen Meteoreinschlägen, z.B. jener der wahrscheinlich zum Aussterben der Saurier führte oder durch Vulkanausbrüche, die durchaus für ein bis zwei Jahre zur Abkühlung der gesamten Erde führen können, weil soviel Staub in der Atmosphäre ist. Betrachet man diese astronomischen Zyklen, dann müsste das Klima nun wieder auf eine Kaltzeit zusteuern. Dass dies bisher nicht geschah lag wahrscheinlich an dem menschlichen Einfluss und zwar bereits an dem vorindustriellen Einfluss, der zwar gering war, aber so groß, dass er der langsamen Abkühlung entgegen wirkte. Ursache soll hier vor allem die Entwaldung durch Menschen sein. Später kamen dann die CO2-Emissionen aus der Energieerzeugung usw. dazu.
Man kann festhalten, die Eiszeiten und Warmzeiten traten abwechselnd auf, aber das Kälter- und Wärmerwerden erfolgte sehr langsam und - das ist besonders wichtig - der globale Temperaturunterschied zwischen Kalt- und Warmzeiten ist gar nicht so groß. Die mittlere Temperatur schwankte um etwa 2 Grad Celsius. Die Berechnungen gehen heute davon aus, dass der Temperaturunterschied, des nun stattfindenden Klimawandels, eher bei 4 bis 5 Grad, im Jahr 2100, landet, wenn alles so weiter geht wie bisher. Bis jetzt haben wir eine Differenz von 0,8 Grad, aber 1,4 Grad sind uns schon sicher, selbst dann, wenn ab sofort kein CO2 mehr erzeugt wird. Die Ursache für diese Verzögerung liegt darin, dass die Ozeane sich langsamer erwärmen wie die Atmosphäre. Die Ozeane kühlen die Atmosphäre also zur Zeit noch ab, aber das tun sie natürlich nicht mehr, wenn sie sich in ihrer Temperatur angepasst haben.
Stärkere Veränderungen als diese zwei Grad Schwankungen gab es in den letzten 350000 Jahren nicht. Wohl früher, z.B. als die Dinosaurier ausstarben. Da wurde es sehr kalt, verursacht durch einen Meteoritenenschlag. Tim Flannery berichtet auch von einer relativ plötzlichen Erderwärmung vor 245 Millionen Jahren, wodurch fast das gesamte Leben auf der Erde vernichtet wurde. Die Erwärmung und das Aussterben ist nachgewiesen. Hypothesen gibt es bezüglich der Ursache. Es wird angenommen, dass ein Auftauen der Methanhydrate zu einem Anstieg von Methan in der Atmosphäre geführt hat. Methan ist ein 25fach so starkes Treibhausgas wie CO2. Dieses Risiko, des Tauens der Methanhydraute besteht auch heute. Sie beginnen leider schon zu tauen, wie wir schon auf Klimaschutz-Netz berichtet haben.
Falsch ist auch, dass es in den letzten zehn Jahren keine globale Erwärmung gab, obwohl die Leugner es immer wieder behaupten. Richtig ist, dass sie statistisch nicht signifikant ist, da Klimatologen immer den 30 jährigen Mittelwert berechnen. Klimatologen machen keine Aussagen über zehn Jahre, was einen Erwärmungstrend angeht. Dies ist ein typisches Beispiel für eine bewusste Fehlinterpretation durch die Leugner. Aber das Jahr 2010 war das wärmste Jahr seit Beginn der globalen Temperaturmessung und das Jahr 2005 das zweitwärmste. Die nächsten Jahre werden noch mal deutlich wärmer werden, da die Sonnenstrahlung zur Zeit auf ihrem Minimum angekommen ist und nun etwa 6 Jahre wieder ansteigt und danach 6 Jahre wieder zurück geht. Außerdem gab es einen sehr starken El Nino im Dezember 2009 ( http://de.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o ) und dieser führte 2010 zu einer weiteren Zunahme der Erwärmung. La Nina, ist ja die „Schwester“ von El Nino und hat unter anderem für die Katastrophe in Pakistan gesorgt.
Richtig gute Information bietet auch das Bildungswiki Klimawandel

