Klimawandel
Führt der Klimawandel zu einer Eiszeit?
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- Erstellt am Sonntag, 15. Juli 2012 13:25
- Zuletzt aktualisiert am Montag, 08. Oktober 2012 11:24
- Geschrieben von Udo Schuldt
Kommt es zu einer neuen Eiszeit? Sind menschengemachte Klimaveränderungen, wie sie der berühmte Film "The Day after Tommorow" zeigt, realistisch? Er handelt von einem abrupten Klimawandel und einer Veränderung des Golfstroms, infolgedessen die gesamten Nordhalbkugel unter einer Eisschicht verschwindet. Vielleicht hat dieser Film deshalb dazu beigetragen, dass der gegenwärtige Klimawandel auch immer wieder mit Eiszeit assoziiert wird, mit Wissenschaft hat dies allerdings nichts zu tun. Aus Sicht der Forscher führt der Anstieg der Treibhausgase zu einer Erderwärmung, denn auch wenn der Golfstrom früher versiegen würde, hätte der Planet als Ganzes eine höhere Temperatur, selbst dann, wenn Nordeuropa kühler würde. Darum bezeichnet man den aktuellen Klimawandel auch als "globale" Erwärmung.

Der Klimawandel wird keine Eiszeit verursachen - aber eine Heißzeit (Foto: kaet44; Lizenz: CC-BY 2.0)
Dass der Golfstrom Europa nicht mehr erreicht, er also vorher absinken könnte, ist dennoch ein realistisches Szenario der anthropogenen Erderwärmung (siehe den Link ganz unten). Seine gewaltige Energie würde unseren Erdteil dann nicht mehr erwärmen. Es könnte zu einer regionalen Abkühlung kommen. Allerdings wäre diese Abkühlung auf Nordeuropa beschränkt und hat allein deshalb nichts mit einer "globalen" Eiszeit im herkömmlichen Sinne zu tun.
Skandinavien und Deutschland wären auch dann nicht unter einer ganzjährigen Eiskappe. Das Klima bei uns würde wohl eher dem Moskaus gleichen, dass in etwa auf gleicher Höhe wie Kopenhagen liegt. Moskau wird nicht vom Golfstrom erwärmt und ist trotzdem nicht von einer meterdicken Eisschicht bedeckt. "Das Moskauer Temperaturmittel beträgt im Dezember minus 5,4, im Januar minus 7,5 und im Februar minus 6,7 Grad Celsius. Der Sommer in der Hauptstadt ist in der Regel warm und sonnig, mitunter aber auch sehr heiß – Temperaturen von über 35 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Die langjährige Durchschnittstemperatur beträgt im Juni 17,1, im Juli 18,4 und im August 16,4 Grad Celsius."1) Und auch Moskau wird sich auf steigende Temperaturen aufgrund des Klimawandels einstellen müssen.
Wahrscheinlich werden sich in Nordeuropa, bei Ausfall des Golfstroms, Erwärmung und Abkühlung ausgleichen, was zu in etwa gleichbleibenden klimatischen Verhältnissen bei uns führen könnte.

Thermo-Satellitenfoto des Golfstroms vor der Ostküste der USA (Foto: NASA; Lizenz: Public Domain)
In den siebziger Jahren wurde auch noch aus einem anderen Grund von einer kommenden Eiszeit geschrieben. "Rasool und Schneider prognostizierten 1971 für den Fall, dass sich die globalen Aerosolemissionen vervierfachen würden, ein Absinken der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu 3,5 °C und warnten davor, dass dies eine Eiszeit auslösen könnte."2)
Bekanntermaßen können bestimmte Schwebeteilchen (Aerosole) eine Abkühlung der Atmosphäre verursachen. Besondere Bedeutung haben Schwefelaerosole. Sie reflektiern in der Atmosphäre Sonnenlicht und reduzieren dadurch den Strahlungsanteil der die Erdoberfläche trifft. Verursacher dieser Sulfataerosole können Vulkanausbrüche oder auch Kraftwerksschlote sein. Als in den fünfziger bis siebziger Jahren immer mehr Kraftwerke - ohne Entschwefelungsanlagen - gebaut wurden nahm die Durchschnittstemperatur der Erde tatsächlich ab.

Foto: Bildungsserver Klimawandel; Lizenz: CC-BY-NC-SA-2.0
Schwefel hat aber einige unangenehme Eigenschaften. Eine davon ist, dass er mit der Feuchtigkeit der Luft Schweflige Säure bilden kann. Regnet diese als Saurer Regen zu Boden trägt sie zum Baumsterben bei. Wegen der in den siebziger Jahren immer massiveren Waldschäden wurden Kraftwerke und auch Kraftstoffe zunehmend entschwefelt, d.h. es gelangten immer weniger menschengemachte Schwefelaerosole in die Luft. Seit 1989 ist deshalb der damit verbundene Effekt der globalen Abkühlung rückläufig.
Ob es einen Treibhauseffekt oder einen Abkühlungseffekt gibt hängt von den jeweiligen Anteilen erwärmender Klimagase, bzw. abkühlender Aerosole statt. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass noch einige andere Komponenten der Atmosphäre kühlende oder erwärmende Eigenschaften haben. Die wichtigsten davon sind in der folgenden Graphik des Weltklimarates IPCC zusammengefasst:

© IPCC
Der IPCC betrachtet darin den Anteil der Komponenten am gesamten Strahlungsantrieb, also deren Fähigkeit die Sonnenstrahlung zu verstärken oder abzuschwächen. Die abkühlenden Komponenten sind blau dargestellt, die erwärmenden Komponenten rot. Zu den erwärmenden Komponenten gehören die Treibhausgase CO2, NH4, N2O, die FKW und FCKW. Einige Komponenten haben sowohl erwärmende, als auch abkühlende Eigenschaften. Z.B. kommt es beim Ozon darauf an, wo es sich in der Atmosphäre befindet, ob es abkühlend oder erwärmend ist. Der in der Grafik enthaltene Begriff Albedo bezeichnet die Reflexionsfähigkeit der Erdoberfläche. Die Albedo (es heißt tatsächlich "die" Albedo) ist umso größer, je heller die Flächen sind. Schneeflächen haben ein hohes Reflexionsvermögen und somit eine hohe Albedo. Ruß reduziert die Albedo, weil es die Flächen verdunkelt, er wirkt also erwärmend. Langlebige Kondensstreifen haben ebenfalls eine erwärmende Wirkung. Insgesamt überwiegen die erwärmenden Anteile, siehe dazu die unterste Reihe in dem Diagramm.
Also, auch hier keine Hinweise auf eine Abkühlung der Erde. Wir erleben ja auch tatsächlich ein Schmelzen des Nordpolareises und des grönländischen Eisschildes, also das Gegenteil einer Eiszeit. Gegenwärtig deutet alles auf eine globale Heißzeit hin.
Fußnoten:
1) Wikepedia über Moskau
2) Wikipedia-Artikel zur globalen Abkühlung
Zum Weiterlesen:

