Klimawandel
Führt der Klimawandel zu einem Werteverfall?
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- Erstellt am Mittwoch, 30. November 2011 21:22
- Zuletzt aktualisiert am Freitag, 02. Dezember 2011 13:22
- Geschrieben von Bernd Liefke
Die Wahrscheinlichkeit ist ja leider ziemlich hoch, dass viele Wissenschaftler in einigen Jahren sagen: "Wir haben keine realistisch darstellbare Chance mehr, die Erderwärmung entscheidend abzubremsen". Eine mögliche Folge so einer Situation wäre die Erosion unserer generellen Lebensbasis, leben wir doch bereits jetzt in einer umfassenden Biokrise. Was, wenn sich die Tür geschlossen hat um den Klimawandel noch in den Griff zu bekommen und dessen Selbstbeschleunigung zu verhindern?

Was wenn die Felder verdorren und die Tiere sterben? Foto: Oxfam; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0
Selbst Bewohner in noch ziemlich verschonten Gegenden müssen sich dann auf eine erhebliche Zunahme von zerstörerischen Naturereignissen, inklusive Kriegen und Katastrophen einstellen.
Einige müssen dann auch mit dem Bewusstsein leben, nicht genügend dagegen getan und auf diesem Feld mit versagt zu haben (u. a. ihren Kindern gegenüber). Ist es nicht ebenfalls sehr wahrscheinlich, dass diese Aussichten dazu führen, dass sich fatalistische "Nach-mir-die-Sintflut" bzw. "No-Future" Haltungen und Einstellungen ausbreiten und unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben unangenehm verändern könnten, lange bevor starke physikalische und biologische Veränderungen unsere Gefilde erreichen? Könnte die Erderwärmung und ihre zerstörerischen Folgen auch Kipppunkte im Mentalen und Ethischen ausgelösen? Ist das nicht ein Aspekt, der in der (politischen) Diskussion noch nicht angekommen ist oder verdrängt wird?

Nach der Flut - Kampf um den Platz im Boot; Foto: balazsgardi; Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Die zunehmende Abkehr von ethischen Prinzipien ist bereits jetzt zu beobachten, zwar sind viele davon noch nicht unmittelbar betroffen und die daraus folgenden Handlungen sind noch wenig sichtbar, aber können sie, wenn diese Tür zum Handeln geschlossen ist, eine andere Qualität bekommen? Werden Resignation und Zynismus allgemein zunehmen und zu einem Verfall von Solidarität und anderen menschlichen Werten auf vielen Gebieten führen? Und kann das Warnen davor Leute mobilisieren, sich für mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit einzusetzen?
Ein Bekannter meinte dazu: "Gedankenspiel - wir leben nach der grossen Katastrophe, irgendwie". Also, wir gehören zu den (wenigen?) Überlebenden, aber "irgendwie" kann auch bedeuten, dass wir in einer Gesellschaft der Barbarei leben.
Wie organisieren wir in so einer Zukunft unser Zusammenleben? Was ist dann wichtig und was plötzlich völlig irrelevant? Das heisst: Welche Werte sind dann die entscheidenden?
Wenn es gelingt, über diese Fragen zu diskutieren, könnte das zu einer Verschiebung der gesellschaftlichen Werte beitragen - was im Idealfall den grossen Knall gerade verhindert oder abmildert. Als umgekehrte selbsterfüllende Prophezeihung bzw. inverses Orakel sozusagen.
Dieser Beitrag kann auch im Klimaretter-Forum diskutiert werden.


