Seit dem ersten Auftreten von Menschen gehört es zum Speiseplan, sein Verzehr ist somit Teil der menschlichen Natur. Einfach ausgedrückt: Menschen sind Raubtiere wie Füchse oder Wölfe. Anders als in der Vergangenheit bietet sich den Menschen aber die historische Chance - aufgrund ihres Wissens über die Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel - von dieser blutigen Herkunft Abstand zu nehmen und eine Ernährung zu wählen die auf Fleisch und andere Tierprodukte verzichtet. Fleischkonsum hat ja sehr viele moralische Aspekte, beginnend beim Leid der Tiere und nicht endend bei der Klimawirkung der Tierhaltung. Betrachtet man diese sittlichen Zusammenhänge, kommt man nicht umhin den Konsum von Tierprodukten zu reduzieren oder ganz aufzugeben.


Fleischauslage im Supermarkt (Foto: Ralf Roletschek; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Die Bedingungen der Tierhaltung stehen bei der Diskussion im Vordergrund. Massentierhaltung hat viele Kritiker, zu Recht, denn die artgerechte Lebensweise der Tiere wird hier in keinster Weise gewährleistet. In der Werbung werden glückliche Kühe vorgegaukelt, aber das ist nur Propaganda. In der Realität werden Tiere teilweise mit Metallgerüsten fixiert, damit sie maximale Erträge bringen, oder sie stehen dichtgedrängt in ihrem eigenen Kot ohne die Möglichkeit ins Freie zu kommen. Dabei ist allgemein anerkannt, dass Tiere die Auslauf haben zufriedener sind.

Die Krux ist, aus Klimaschutz-Sicht, dass Massentierhaltung klimafreundlicher ist, als Freilandaufzucht. Ursache hierfür ist der geringere Flächenbedarf. Auf den Flächenbedarf der Tierhaltung und deren Klimawirkung kommt dieser Artikel später nochmal zurück. 


So frei wie diese hier sind die wenigsten Kühe (Foto: Ikiwaner; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Besonders konsequente Tierschützer lehnen grundsätzlich jede Form der Gefangenschaft von Tieren ab. Aus ihrer Sicht ist nicht nur Fleischkonsum das Problem, sondern auch der Konsum bzw. die Verwendung von anderen Tierprodukten wie Milch, Käse, Eier, Leder oder Wolle. Vom Klimaschutz-Standpunkt ist so einer konsequenten Position der Vorzug zu geben, denn nicht die Fleischproduktion verursacht den Beitrag zur Erderwärmung, sondern die Tierhaltung ganz allgemein.

Nicht nur Nutztiere verursachen diese Problematik, sondern auch Haustiere wie Hunde, da diese ebenfalls Tierprodukte verbrauchen, im Hundefutter, im Hundehalsband oder der Leine aus Leder, z.B. fressen Hunde - meistens - auch Fleisch. Darum gehen einige Texte davon aus, dass die Klimawirkung von zwei großen Hunden äquivalent zu der eines Autos ist.

Worin ist denn die Klimawirkung der Nutz-Tierhaltung begründet? 

Der wichtigste Aspekt ist - entsprechend verschiedener Studien - der Flächenverbrauch für die Nutztiere. Flächen werden für Ställe und Weiden benötigt oder für den Anbau von Futtermitteln wie Sojabohnen oder Weizen. Um diese Flächen zu schaffen wurden Bäume abgeholzt, die Kohlenstoff gebunden hatten, welches nach dem Kahlschlag in die Atmosphäre entwich. Um 1 Kalorie Rindfleisch zu erzeugen braucht man etwa die zehnfache Fläche wie für 1 Kalorie Weizen. Bei Schweinefleisch etwa die dreifache, bei Eiern die vierfache, bei Milch die fünffache und bei Hühnerfleisch sogar die zwölffache Fläche, wenn der Weizen zur Fütterung der Tiere statt zum Brotbacken verwendet wird. (Siehe Grafik)

Ein weiterer Aspekt sind Methangase die in den Mägen verschiedener Tierarten entstehen. Besonders viel Methan entsteht im Magen der Kuh. Viele sagen vielleicht "ach, das bisschen", aber Methan ist ein 25-fach so starkes Treibhausgas wie CO2 und es gibt ca. eine Milliarde Kühe auf der Welt. Rein massemäßig übersteigen sie die Menschenmasse der ungefähr sieben Milliarden Menschen, da Rinder 700 bis 1200 kg schwer werden.

298-mal so stark wie CO2, in der Treibhauswirkung, ist Lachgas (N2O). N2O entsteht auf Äckern, besonders viel wird erzeugt, wenn die Bauern diese mit Mineraldüngern auf Stickstoffbasis oder großen Mengen von Gülle düngen. Beim Futtermittelanbau wird sehr viel Mineraldünger eingesetzt, entsprechend viel Distickstoffmonoxid (die chemische Bezeichnung für Lachgas) entsteht. Nebenbei sei angemerkt, dass bei Düngung mit Stallmist deutlich weniger dieses Gases erzeugt wird.

Stallheizungen, Transporte, Schlachthöfe und auch die Verkehrswege der mit der Fleischproduktion und dem Verkauf Beschäftigten verursachen CO2, durch ihren Energiebedarf, welcher bei fleischloser Ernährung nicht entstanden wäre.

Inzwischen gibt es schon etliche Studien zu dem Thema. Die jüngste, der Universität Wien, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Kilo Fleisch einer Menge CO2 entspricht, die bei einer Autofahrt von 1600 Kilometern in einem Mittelklassewagen erzeugt wird.

Eine Studie der FAO - von 2006 - enthält die Aussage, dass die Tierhaltung einen Anteil von etwa 18% am Treibhauseffekt hat. Eine andere Untersuchung des Worldwatch Institutes ermittelt sogar einen Anteil von 51%. Unabhängig davon welcher Wert richtig ist, geht es um erhebliche Beiträge zur menschengemachten Erderwärmung, denn selbst 18% sind ein erheblicher Anteil. Vieles spricht jedoch dafür, dass die Wahrheit zwischen 18% und 51% liegt.

Also, nicht das Fleisch ist das Hauptproblem, sondern die Tierhaltung allgemein. Sie sollte so schnell wie möglich reduziert werden - und zwar weltweit.


Wie könnte man eine weltweite Reduzierung der Nutz-Tierhaltung erreichen?

Das persönliche Verhalten ist ein wichtiger Beitrag. Es ist beispielgebend und zeigt, dass man mit reduzierten Tierprodukten oder auch ganz ohne Überleben kann. Aber das alleine reicht nicht. Tierprodukte müssen auch teurer und das Angebot an günstigen Alternativen muss wesentlich größer werden. Es ist dringend erforderlich einfacher an Alternativen zu Tierprodukten zu kommen.

Haustiere können auch vegan oder fleischreduziert ernährt werden, dadurch würde der von ihnen verursachte Klimaschaden wesentlich verringert. Im Internet gibt es entsprechende Angebote. Je mehr Menschen umsteigen, desto größer wird auch das Angebot an pflanzlichen Alternativen zum Fleisch.

Darüber hinaus sind aber auch gesetzliche Maßnahmen, wie das Verbot der Massentierhaltung und Höchstzahlen pro Fläche, nötig. Die Massentierhaltung hat zwar eine etwas günstigere Flächenbilanz, aber bei erheblich reduzierter Nutztierhaltung sollte den Tieren aus ethischen Gründen mehr Fläche zugestanden werden.

Bio-Landwirtschaft kommt - so beschreiben es jedenfalls viele Autoren - nicht ohne den Dünger der Nutztiere aus. Eine ökologische Landwirtschaft könnte darum wohl nicht vollkommen auf Tierhaltung verzichten. Da die Tierhaltung beim Bio-Bauern im Gleichgewicht mit den bewirtschafteten Flächen ist, wird auch die Treibhauswirkung bei dieser Wirtschaftsweise minimiert. Also, wenn man nicht auf Tierprodukte verzichten kann, dann wenigsten vom Biohof.

In Anbetracht der Dramatik des Klimawandels muss jede Möglichkeit zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beschritten werden. Die Verringerung der Tierhaltung ist eine der wichtigsten Maßnahmen.


Zur weiteren Information empfohlen: Nie wieder Fleisch - arte Dokumentation




Lerneinheit: Fleischkonsum und Landverbrauch