Mehr als tausend Todesopfer hat der Tropensturm "Washi", vor wenigen Tagen, auf den Philippinen gefordert. Unvorstellbar für die Menschen in den reicheren Ländern, von denen viele zur Zeit vorwiegend mit dem Kauf von Weihnachtsgeschenken und den Vorbereitungen auf das Fest beschäftigt sind. Unvorstellbar, weil es eben nur eine Zahl ist. Sie bleibt abstrakt und wird hingenommen.

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Zerstörte Hütten und Gebäude nach dem Tropensturm Washi auf Mindanao; Foto: Mathias Eick EU/ECHO; Lizenz: CC-BY-ND-2.0

Ivon Antonihao hat die Katastrophe dagegen selbst erlitten. Als die Flut über ihr Dorf Bayug (Mindanao) hereinbrach rettete sich die Mutter mit ihren vier Kindern in einen Mangobaum. "Ich war die letzte aus unserer Familie, die hochgeklettert ist und dann kam dieser Junge und klammerte sich an mein Bein" so die Frau in einem Telefongespräch und weiter "er hat mich angefleht, aber ich musste ihm sagen: Es tut mir leid, und dann habe ich ihn gezwungen, loszulassen." Man fand den Jungen am nächsten Tag tot, zerquetscht zwischen Baumstämmen, gestorben wie so viele ihrer Nachbarn, sagt Antonihao. "Warum? Warum diese Katastrophe? Wir verstehen es nicht." 1)

Etwa 90% der phillippinischen Bevölkerung sind Christen und viele von ihnen würden sicher gerne Weihnachten feiern, wenn sie könnten, wenn sie noch ein Haus hätten und wenn sie nicht um ihre Angehörigen trauern würden. Zehntausende haben auch ihre Wohnung und alles Hab und Gut verloren. Kein Platz um einen Gabentisch aufzustellen und statt der Freude über die Geburt von Jesus Christus, Trauer über den Verlust von Angehörigen.

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5000 Flüchtlinge in einer Notunterkunft, nach dem Tropensturm Washi auf Mindanao; Foto: Mathias Eick EU/ECHO; Lizenz: CC-BY-ND-2.0

Der Klimawandel verschont keine Religion. Im letzten Jahr waren bei den Überschwemmungen in Pakistan und Indien vor allem Moslems und Hindus betroffen, auf den Phillippinen sind es nun überwiegend Christen. Kein Gebet, an welchen Gott auch immer, schützt vor Klimakatastrophen. Geholfen hätte dagegen, wenn auf die Wissenschaftler gehört worden wäre, die vor der Gefahr durch die menschengemachte Erderwärmung gewarnt haben.
Die selbsternannten "Klimaskeptiker" nennen die seriösen Klimawissenschaftler häufig auch Alarmisten. Wahrscheinlich hat dieser Unsinn auf die Verantwortlichen in den Philippinen abgefärbt: Als vor drei Jahren ein Report des WWF deutlich machte, wie anfällig Teile der Philippinen gegenüber den zunehmenden Extremwetterereignissen wären, wurde er von Verantwortlichen der Administration als zu alarmistisch abgetan. Dabei war der Report leider ein "Volltreffer", denn er sagte das voraus, was nun geschah. 2)

Vielleicht hat die Ignoranz der Klimawissenschaftsleugner das Unglück der Menschen aus Mindanao mit verursacht, weil sie partout den menschengemachten Klimawandel bestreiten. Die Erde hat sich bisher um etwas weniger als 1 Grad Celsius - im globalen Durchschnitt - erwärmt. Eine deutlich höhere Erwärmung ist uns sicher, da die CO2-Emissionen nicht nur ungehemmt, sondern verstärkt weiter gehen und da die Erwärmung mit einer Verzögerung um Jahrzehnte einsetzt. Wenn man sich darauf nicht einstellt und die wissenschaftlichen Hinweise auf den Klimawandel weiterhin als "Alarmismus" beiseite schiebt, fallen die Klimakatastrophen der Zukunft - mit Sicherheit - noch tödlicher und zerstörerischer aus. Deshalb ist diese Katastrophe in Mindanao auch eine erneute Warnung an die Menschheit, leider eine mit tödlichen Folgen für über tausend Menschen und deren Angehörigen.

Neben der unbedingt notwendigen Reduktion der CO2-Emissionen sind auch Anpassungen an den Klimawandel nötig. Überflutungsgefährdetete Siedlungsgebiete müssen geschützt oder aufgegeben und die Katastrophenhilfe verbessert werden, damit solche Ereignisse nicht mehr oder zumindest nur noch abgeschwächt  auftreten.


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1) Quelle: co2-handel.de

2) Quelle: Planetsave