Milchkonsum, Klimawandel, Umweltzerstörung und das Leid der "Nutztiere"

Milchausstieg selber machen! 

Unentbehrliches Lebensmittel? Natürlich und gesund? Im Einklang mit Tier und Natur? Milch hat dank jahrzehntelanger Werbung ein weißes, reines Image. Zahlreiche Mythen umranken die Muttermilch des Rindes. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Die Kampagne Ausgemolken thematisiert die zahlreichen Schattenseiten der Milch. Und lädt zum Ausprobieren leckerer Alternativen ebenso ein wie dazu, sich aktiv an der offenen Kampagne zu beteiligen.

Milch und Umwelt

Die UNO Landwirtschaftsorganisation FAO stellte 2006 fest, dass 18 Prozent der globalen menschenverursachten Treibhausgase auf das Konto der Tierhaltung gehen. Mittlerweile gibt es Schätzungen, die sogar weit über 20 Prozent hinausgehen. Das ist weit mehr, als der gesamte Verkehr mit Flugzeugen, Autos, Lastwagen, Bahnen und Schiffen auf die Klimawaage bringt (14 Prozent). Einen beträchtlichen Anteil an den Tierhaltungsemissionen haben die Wiederkäuer, die besonders viel des Treibhausgases Methan ausstoßen. Dass sie das tun, ist ganz normal, doch dadurch, dass wir Menschen für unsere Zwecke Milliarden von ihnen halten, ist die berühmte pupsende und rülpsende Kuh mittlerweile ein großer Klimafaktor geworden – also die Milch, die wir konsumieren. Einen Liter Milch zu trinken, ist für das Klima so schädlich, wie 7 Kilometer mit einem durchschnittlichen Auto zu fahren. Ein Päckchen Butter (250g) entspricht sogar mehr als 40 Kilometern. Foodwatch stellte 2008 in “Klimaretter Bio?” fest, dass eine Ernährung ohne Kuhmilch und Fleisch mindestens drei mal so klimafreundlich ist wie eine Ernährung, die kein Fleisch, aber Milchprodukte enthält.

Und außer dem Klima?

Tierhaltung – und damit auch die Milch – trägt noch zu vielen anderen ökologischen Problemen unverhältnismäßig viel mehr bei, als wenn wir pflanzliche Alternativen äßen und tränken (zur Erklärung siehe www.nandu.net/verschwendung). Die FAO sagte 2006 zusammenfassend: “Die Tierhaltung stellt sich als eine der zwei oder drei bedeutendsten Ursachen für die meisten ernsten Umweltprobleme heraus, von der lokalen bis zur globalen Ebene.” (FAO: Livestock’s long shadow, 2006, Executive Summary) Ein Beispiel: “Eutrophierung von Gewässern”. Dieser nüchterne Fachbegriff steht für die dramatische Überdüngung von Seen und Küstengewässern weltweit. Und dazu trägt die Milch auf zwei Weisen bei: Da ein Großteil der Böden durch jahrzehntelange intensive Nutzung ausgelaugt ist, wird beim Ackerbau stark auf Düngemittel zurückgegriffen. Weil mittlerweile in Deutschland in einem durchschnittlichen Liter Milch (über das Futter der Tiere) mehr Soja, Mais und Getreide stecken (nämlich circa. 250 g, vgl. Christiana Schuler, “Für Fleisch nicht die Bohne”, 2008, Tab. 2) als beispielsweise in einem Liter Hafer- oder Sojamilch (ca. 100 g, vgl. Sojamilchrezepte) wird für das Tierprodukt Milch (ebenso wie für Fleisch) mehr gedüngt als für die gleiche Menge “Pflanzenmilch”. Außerdem fallen bei jeder Art von Tierhaltung die Ausscheidungen der Tiere an, bei uns größtenteils in Form von Gülle. Diese wird dann als Dünger ausgebracht und dabei oft regional überdosiert, da sich lange Transportwege wirtschaftlich nicht lohnen.

Was ist nun das Problem an zu viel Dünger?

In ihm befinden sich eine Menge Stickstoff- und Phosphatverbindungen (“Pflanzennahrung”), die durch Regen oder Abwässer in die Flüsse, Seen und Meere gelangen. Dort sorgen sie dafür, dass sich an der Oberfläche des Wassers mehr Kleinstlebewesen bilden als normaler Weise. Diese sinken dann ganz gewohnt auf den Grund ab, wo bei ihrer Verwesung den tieferen Wasserschichten Sauerstoff entzogen wird. Aufgrund ihrer stark erhöhten Masse entstehen sauerstoffarme Wasserschichten, die zu einem Massenaussterben der dort (noch) lebenden Tiere führt. Die sogenannte Algenblüte ist ein weiteres Phänomen, das durch Überdüngung entsteht, Massensterben von Fischen verursacht und zur Sperrung von Seen und Küstengewässern für Menschen führt.

Das klingt vielleicht zunächst nicht all zu dramatisch. Wenn aber Scholle und Forelle nichts mehr zum Atmen haben, ersticken sie erstens selbst qualvoll (umgekehrt würden wir nicht gerne in Schollenkot verenden). Und da zweitens das Absterben einiger Arten (Tiere wie Pflanzen) oft zu irreversiblen Schäden im ganzen Ökosystem führt, entziehen wir uns hiermit als Menschen langfristig selbst die Lebensgrundlage.

Zum Weiterlesen:

Netzwerk Nandu: "Tierhaltung und Klimawandel"
S. Rahmstorf/K. Richardson: “Wie bedroht sind die Ozeane?” 2007. 280S., ISBN 978-3-596-17277-1

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