300 Aktive besetzten heute erneut die Gleise der Hambacher Kohlebahn – den Haupttransportweg für Braunkohle aus dem Tagebau Hambach in die großen Kraftwerke, die jährlich 100 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Sie haben sich genau dort niedergelassen, wo neue und alte Hambachbahn zusammenlaufen.

„Bereits in den letzten Jahren hat es solche Aktionen gegeben. In diesem Jahr jedoch mit deutlich mehr Menschen als je zuvor, die sich ihrem legitimen Protest auf diesem Wege Ausdruck verleihen. Außerdem sind es Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen und Regionen der Welt. Dies zeigt deutlich: Klimawandel geht uns alle an. Und eine Änderung der derzeit bestehenden Verhältnisse von Ausbeutung und Zerstörung ist nur durch entschlossenes und gemeinsames Handeln von unten möglich“, äußert sich eine der Aktivistinnen. „Die Auswirkungen der Braunkohle-Verstromung sind nicht nur aufgrund des Klimawandels überregional spürbar, sondern auch durch die Verbreitung des Feinstaubes. Je nach Wetterlage kann der Feinstaub aus RWEs Kraftwerken und Tagebauen überall in Europa niedergehen und verheerende Gesundheitsauswirkungen nach sich ziehen.“

„Immer wieder werden Aktionen des Braunkohlewiderstandes kritisiert, weil sie geltendes Recht übertreten. Wenn aber das geltende Recht Industrien schützt, die die Zukunft auf diesem Planeten zerstören, dann kann nicht das Übertreten des rechtlichen Rahmens das Problem sein, sondern das Recht selber ist es“ begründet eine Aktivistin, warum sie diese Blockadeaktion legitim findet. Gegen 18 Uhr wurde die Blockade von der Polizei geräumt.

An einer Demonstration, die ungefähr zur gleichen Zeit stattfand, nahmen hunderte Menschen teil. Außerdem wurden zeitgleich fünf Häuser in Manheim besetzt. Aus einer Erklärung der Hausbesetzer: "Wir haben am 31. August das leerstehende Haus in der Esperantostraße 29 besetzt. Bereits heute steht mehr als ein Drittel der 420 Häuser des Dorfes Manheim im rheinischen Braunkohlerevier leer. RheinBraun/RWE treibt den Abbau von Kohle soweit, dass dutzende Dörfer dem Profitinteresse der Industrie weichen müssen. Umgesiedelt wird in neue Geisterstädte aus Stahl und Beton, hier, in der Lausitz und anderswo."

Bereits gestern, legten Aktive von "Reclam the Fields" einen Gemüsegarten in Manheim an, der allen Menschen des Ortes als "Community-Garden" überlassen werden soll. Der Garten wurde auf einer ungenutzten, städtischen Wiese inmitten Manheims angelegt, Erdbeeren und Sellerie gesetzt, Salat und Spinat gesät und außerdem die Obstbäume gegossen. Die Aktion soll als positive Kraft der selbstorganisierten Landwirtschaft der Zerstörung durch den fossilen Kapitalismus und dem Braunkohletagebau entgegengestellt werden.

"Dadurch, dass Manheim nach und nach verlassen wird, schleicht sich ein depressives Gefühl im Dorf ein. Mit Aktionen wie dieser wollen wir dem eine Botschaft entgegensetzen: Manheim wächst wieder. Die Abbaggerung des Dorfes durch RWE ist nicht unumgänglich, wenn sich die Menschen zur Wehr setzen. Die Aktion soll ebenfalls die Ziele von Reclaim the Fields verdeutlichen. Das europaweite Netzwerk steht für eine selbstorganisierte, kleinbäuerliche Landwirtschaft und richtet sich gegen die Zerstörungen des fossilen Kapitalismus und der intensiven, monokulturellen Landwirtschaft", sagte Svenja Mangold, vom Reclam the Fields Netzwerk. Der Garten befindet sich in Manheim auf der Esperantostraße neben der Hausnummer 37.

Informationen über den aktuelle Situation finden Sie auf dem Ticker: https://stopptrwe.crowdmap.com
Aktuelle Fotos sind zu finden unter: https://secure.flickr.com/photos/100963658@N02/


Artikelhistorie:
1.9.2013: Satz über Räumung der Schienenblockade ergänzt.