Ist die Plastiktüte bald Geschichte?

Am 27. August heißt es "Sag Nein zu Plastik - ein Tag ohne Plastiktüte". Natürlich mindestens ein Tag, besser von da an immer. In den siebziger und achtziger Jahren war die Plastiküte schon einmal ein von den Umweltverbänden bekämpftes Symbol einer Verschwendungs- und Wegwerfgesellschaft. Jeder der etwas auf sich hielt lief mit einem Jutebeutel, auf dem "Jute statt Plastik" prangte, herum. Dennoch vermochte diese Kritik es nicht den Siegeszug der Plastiktüte aufzuhalten. In der EU werden pro Jahr und Person etwa 500 Plastiktüten verbraucht, nicht nur als Tragetaschen, sondern auch als Umverpackungen an der Käse- und Wursttheke. In D verwenden die Menschen immerhin noch etwa 65 Tragetaschen per annum.

©Dorothea Schreier

Nun hat die EU in Aussicht gestellt Plastiktragetaschen zu verbieten. Ob es tatsächlich dazu kommt? Man darf skeptisch sein.

Die dünnen Folientaschen aus Polyethylen oder Polypropylen herzustellen ist ein gutes Geschäft und die Firmen sind alarmiert, ihre Lobby ist inzwischen aktiv. Es kommt nun auch auf die öffentliche Meinung an, damit sich die Lobbyisten nicht wieder, wie so oft, durchsetzen und wirkungsvolle Gesetze verhindern. Rund 3,4 Millionen Tonnen Plastikrohstoff werden zu schätzungsweise 450 Milliarden Tüten verarbeitet, die nach kurzer Zeit bestenfalls im Müll landen, oder im schlechteren Falle, auf See, aus Schiffen und Sportbooten geworfen werden, um danach die Strände zu verschmutzen oder im Wasser zu treiben. Dort verwechseln dann häufig Fische und Seevögel diese mit Nahrung.

Plastiktüten sind schon in vielen Ländern verboten oder deren Gebrauch wurde eingeschränkt, z.B. in Papua-Neuguinea, Frankreich, Südafrika, Australien oder Bangladesch. Die Bengalen begründen ihr Verbot damit, "dass die Tüten Abwasserkanäle blockieren und zu Flutkatastrophen beitragen" schreiben die Stuttgarter Nachrichten. "Ruanda und andere afrikanische Länder finden, die massenhaft in der Gegend herumliegenden Tragehilfen stören das Pflanzenwachstum, verstopfen die Mägen von Rindvieh und bieten Brutstätten für Moskitos. In China dagegen sind dünne Tütchen verboten, weil der geringe Nutzwert in keinem Verhältnis zur Umweltbelastung stehe." Verschiedene EU-Länder hätten Gebühren eingeführt, beispielsweise Irland eine Tütenabgabe von 0,15 Euro pro Sackerl, daraufhin sank der Verbrauch umgehend von 328 Plastiktaschen pro Kopf und Jahr auf 21, berichten die Stuttgarter Nachrichten weiter.

Öl ist der Rohstoff, aus dem der Grundstoff für die Taschen und Beutel hergestellt wird, und Öl wird unter immer umweltschädlicheren Bedingungen gewonnen. Mit Tiefseebohrungen, aus kanadischen Ölsanden oder auf gerodeten und ölverschmutzten ehemaligen Regenwaldgebieten. Auch hier könnte ein Verbot der Plastiktüten- und Tütchen dazu beitragen die Umweltzerstörung aus der Ölproduktion zumindest etwas zu reduzieren. Verbrennt man Plastik in der Müllverbrennungsanlage, so entsteht CO2, welches den Treibhauseffekt fördert.

Fast jeder kennt inzwischen den großen Müllstrudel im Pazifik, der den englischen Beinamen "Great Pacific Garbage Patch" bekommen hat. Dass aber auch die Nordsee und das Mittelmeer flächendeckend mit Kunststoffen belastet sind, wissen schon bedeutend weniger Menschen. Ein im letzten Jahr veröffentlichter Bericht dazu hat nun wohl auch die Politiker beeindruckt. Zu winzigen Partikeln zerrieben oder noch als gut erhaltenes Original treibt das Plastik dort im Wasser. Die kleinen Teilchen gelangen dann auch in die Mägen der Fische und über die Fischerei in den Körper der Menschen.

Dabei gibt es jede Menge Alternativen zu den Tüten. Baumwolltaschen (z.B.) sind langlebig und verrotten in der Natur, wenn sie tatsächlich mal "über Bord" gehen sollten. Sicher, auch sie sind nicht problemlos, es ist richtig, auch die Baumwollgewinnung hat ihre Umweltfolgen. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Taschen aus Baumwolle, oder die gute alte Jutetasche, so lange wie möglich verwendet werden.

Die Plastiktüte ist in diesem Zusammenhang auch nur ein Symbol. Es geht letztlich darum, die Wegwerfverpackungen insgesamt zur reduzieren. In vielen Fällen können auch Pfandsysteme die Plastikboxen- und Beutel ersetzen. In anderen Fällen tun es auch Pappen und Kartons.

Das Klimaschutz-Netz ruft dazu auf, am 27. August, Plastiktüten und Plastiktaschen zu meiden.

Diesem symbolischen Akt sollte danach eine möglichst nachhaltige Verhaltensänderung der Teilnehmer folgen und es sollte weiterhin sehr sorgsam überlegt werden, wie man Plastmüll vermeiden kann.

Letztlich ist es aber politisch zu entscheiden, ob weiterhin Plastikmüll die Umwelt belasten soll oder ob Europa zu einem Vorbild für die Welt wird. Bisher ist die EU eher ein schlechtes Beispiel.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Movie: Leben ohne Plastik - Europamagazin

 

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