Internationale Friedensbrigaden schützen von Ermordung bedrohte Umweltaktivisten
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- Erstellt am Sonntag, 17. Juli 2011 14:16
- Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 20. Juli 2011 17:22
- Geschrieben von Redaktion
In Brasilien wurden im Mai zwei Umweltschützer brutal ermordet. Bei den Opfern handelt es sich um Maria do Espírito Santo da Silva und ihren Ehemann José Claudio Ribeiro da Silva. Beide leiteten das Projekt Agroextrativista Praialta-Piranheira, welches sich der nachhaltigen Nutzung des entsprechenden Schutzgebietes im Bundesstaat Pará im Norden des Landes verschrieben hatte. Das Ehepaar wurde rund 50 Kilometer von der Gemeinde Nova Ipixuna im Südosten des Bundesstaates tot aufgefunden. Über die Tatumstände ist bislang wenig bekannt. Nach letzten Erkenntnissen sollen beide an einer Brücke von einer Gruppe bewaffneter Männer aufgehalten worden sein. Noch an Ort und Stelle seien beide durch zahlreiche Schüsse regelrecht hingerichtet worden.

Begleitung von gefährdeten Personen durch pbi-Aktive; ©pbi
Dieses Beispiel zeigt, das Umweltaktivisten in Südamerika gefährlich leben. Um ihr Leben und das anderer gefährdeter Personen, z.B. auch von Menschenrechtlern, zu schützen und um deren Aktivitäten zu ermöglichen, organisieren die Peace Brigades International die Begleitung von gefährdeten Personen durch unbewaffnete Freiwillige aus anderen Ländern.
Auf diese Weise soll deutlich gemacht werden, dass die betroffenen Menschen nicht allein sind und ihre Ermordung ein internationales Echo verursachen und auch strafrechtliche Konsequenzen für die Täter haben würden. Dass die Täter oft nicht gefasst werden, weil die Behörden kein ausreichendes Interesse haben, zeigt das erwähnte Beispiel aus Brasilien. Hier wurden die Täter bisher nicht ermittelt und so langsam gerät der Fall in der internationalen Öffentlichkeit in Vergessenheit zu geraten.
Damit so was möglichst nicht passiert, arbeiten engagierte Menschen bei den Peace Brigades International (bbi), denn erstens versuchen sie die Ermordung von Menschen zu verhindern, zweitens, wenn es passiert, setzen sie sich für eine Verfolgung der Täter ein und drittens und vor allem, will pbi solche Konflikte lösen helfen, indem die Organisation Methoden der Konfliktbearbeitung einsetzt und so Handlungsräume für den Frieden schafft. So fanden z.B. in Guatemala Gespräche zwischen pbi-Vertretern, guatemaltekischen Autoritäten, dem diplomatischen Corps und internationalen Institutionen über die örtliche Menschenrechtssituation statt.
Im Sinne des Schutzes gefährdeter Personen wurde beispielsweise José Pilar Álvares vom Verein für den Schutz des Berges Las Granadillas (APMG in der spanischen Abkürzung) zu einem Treffen des nationalen Rates für Schutzgebiete begleitet. Der APMG kämpft für die Integrität der wichtigen Wasservorkommen und die Biodiversität des Gebietes. Massive Abholzungen, die zudem teilweise illegal sind, Entwaldung, die Ausbreitung von Flächen für die Viehzucht gehören zu den Problemen mit denen sicher die Umweltaktivisten auseinandersetzen müssen. Dabei werden vielfältige Interessen berührt, etwa die der Viehzüchter, was zu einem Bedrohungspotenzial für die Naturschützer führt. Der Verein wird in seinem Engagement auch von der Lutherischen Kirche Guatemalas unterstützt.
Schwerpunkte der Arbeit von pbi sind in Kolumbien, Guatemala, Mexiko und Nepal. Kolumbien ist den am Klimaschutz interessierten Menschen sicher noch aufgrund der Vortragsreihe über „Blutige Kohle aus Kolumbien für deutsche Kraftwerke“ bekannt, die von den Peace Brigades mit organisiert wurde. Im November letzten Jahres bereisten Luis Alberto Rojas und die kolumbianische Anwältin Julia Figueroa, Deutschland und informierten über die Problematik des Kohleabbaus in ihrem Land. Dort hat sich in den letzten 10 Jahren die Ausbeutung der Kohlevorkommen mehr als verfünffacht. Dabei verbraucht Kolumbien nur einen Bruchteil der geförderten Kohle selbst. In der Region Catatumbo haben acht große Bergbauunternehmen, darunter fünf ausländische, die Genehmigung zum Abbau erhalten, obwohl werschiedene indigene Volksgruppen dort leben und man dort eine besonders große biologische Vielfalt findet. Es gibt viele Kleinbauern und wenig gut ausgebaute Straßen. Dreiunddreißig Wasserläufe durchziehen den Urwald und münden in den Catatumbo-Fluss, welcher der Region ihren Namen gegeben hat. Die Vielfalt der Tier und Pflanzenwelt im warmen subtropischen Klima an der Grenze zu Venezuela ist beeindruckend. Genau unter diesem Gebiet liegen Kohlevorkommen von immensem Ausmaß. Auf 25.000 Hektar werden 300 Millionen Tonnen Kohle vermutet, die in den nächsten 30 Jahren ausgebeutet werden sollen. Der Tagebau würde den Primärwald über den Kohlevorkommen unwiederbringlich vernichten. Mehr noch: Er würde das Ökosystem der gesamten Region gefährden. Denn wenn die Kohleschichten im warmen Klima freigelegt werden, besteht die Gefahr, dass sie sich entzünden. Solche Brände sind kaum zu löschen. Um sie zu verhindern, müssen die Kohleschichten bewässert werden. Für den enormen Wasserbedarf sollen die Flüsse Catatumbos herhalten. Folgeschäden wären vorprogrammiert. Rojas erklärte, dass die Indigenen und die Kleinbauern die 60-jährige Geschichte der Ölförderung in Kolumbien leidvoll erfahren haben. In deren Anfangszeit wurden 20.000 Indigene ermordet. Die Ureinwohner kennen auch den Kohleabbau in La Guajira und wissen, was mit ihrem Land geschieht, wenn Kohle im offenen Tagebau abgebaut wird. Die Ausbeutung der Kohlevorkommen führt in Kolumbien generell zu weiterer Vertreibung und zur Auslöschung der Bauern und Kleinbauern in der Region Catatumbo.
Die Kohle aus Catatumbo soll auch in deutschen Kohlekraftwerken verfeuert werden. Kolumbien ist in den letzten Jahren für Deutschland zum zweitgrößten Steinkohle-Exporteur aufgestiegen, nur aus Russland bezieht die Bundesrepublik laut Statistischem Bundesamt mehr Kohle. 2010 werden wahrscheinlich erstmals mehr als acht Millionen Tonnen kolumbianischer Kohle in Deutschland verbrannt. Hauptabnehmer ist E.ON, aber auch Trianel, GKM in Mannheim und RWE werden bereits beliefert oder haben Optionsverträge abgeschlossen.
Hier werden gewaltige Konflikte deutlich die nicht nur Arbeit für die Peace Brigades International bedeuten, sondern auch für die deutsche Klima-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung. Es ist klar, dass hier gemeinsames und konsequentes Handeln erforderlich ist. Während die einen die Aktivisten in Südamerika beschützen müssen die anderen hier die Kohlekraftwerke verhindern.

