Die Reichen werden den Klimawandel nur verschärfen - ihn aufzuhalten, das ist Sache der "99%"

Ein zentraler Slogan der Wallstreet-Besetzer ist: "wir sind die 99%", also die 99 Prozent die nicht zu den Reichen gehören. Daran anknüpfend hat Naomi Klein, die bekannte Autorin und Streiterin gegen Globalisierung, eine vielbeachtete Rede gehalten, deren Inhalt der Guardian veröffentlichte und die nun in den sozialen Netzwerken um die Welt geht.

In ihrer Rede beschreibt Naomi die Prinzipien der neuen Bewegung, zu denen vor allem die horizontalen demokratischen Strukturen gehören und die unbedingte Gewaltfreiheit. Die Bewegung müsse zusammenstehen, für Jahre, um die gesellschaftlichen Werte grundlegend zu ändern. Für sie sei der wichtigste Slogan "I care about you" - ich empfinde für dich. Bezogen auf den Klimaschutz stellt sie fest, dass dieser eben auch die Angelegenheit der "99%" ist.

Uneingeschränkte Gier hätte die globale Wirtschaft zerstört, aber auch die natürlichen Lebensgrundlagen. Durch Überfischung, Wasserverschmutzung, Fracking, Tiefwasser-Bohrungen und die Verwendung der schmutzigsten Energiequellen wie den Alberta-Teer-Sanden. Die Atmosphäre könne die Menge des Kohlenstoffs nicht mehr aufnehmen, was zu einer gefährlichen Erwärmung führe. Die neue Normalität seien serienmäßige Katastrophen - ökonomisch und ökologisch. Unsere Aufgabe sei es dem ein Ende zu bereiten und eine Gesellschaft aufzubauen, welche natürliche Grenzen respektiert.

Tage vorher hatte sich die US-Klimaschutzbewegung zu der "Occupy Wall Street"- Bewegung bekannt. Bei kleineren Besetzungsaktionen, z.B. des Ronald Reagan Centers, wo eine Anhörung zur XL-Teersand-Pipeline stattfand, benutzte auch die Klimaschutz-Bewegung die Methoden des zivilen Ungehorsams. Dem vorausgegangen war der ein wochenlanger Protest gegen diese Pipeline vor dem Weißen Haus in Washington bei dem hunderte von Aktivisten verhaftet wurden. Bereits im April zogen mehr als 10000 Menschen vor das Gebäude der US-Handelskammer in Washington um gegen deren Klimapolitik zu protestieren. Im selben Monat besetzte eine Gruppe von Aktivisten ein Chikagoer Kohlekraftwerk und forderte dessen Schließung. Eine bemerkenswert mutige Bewegung in diesen klimafeindlichsten Land der Erde.

Liest man zur Zeit die Kommentare auf der Klimaschutz-Netz Facebook-Seite, so wird deutlich, dass auch im deutschsprachigen Raum die Klimaschützer an der Seite der neuen globalen sozialen Bewegungen stehen, dass Klima- und Umweltbewegte am 15. Oktober dabei sein werden, wenn der internationale Aktionstag für eine gerechtere Welt unter dem Motto "Echte Demokratie jetzt" stattfinden wird. 

Vorige Woche endete die letzte Vorbereitungskonferenz des nächsten Klimagipfels, der im Dezember in Durban abgehalten wird. Die Ergebnisse des Vorbereitungstreffens waren mager. Es wird aller Voraussicht nach auch in Durban zu keinem internationalen Klimaschutzabkommen kommen. Das Kyoto-Protokoll läuft nächstes Jahr aus und voraussehbar gibt es dann kein Anschlussabkommen, weil Kyoto - so berichten ungewöhnlich gut informierte Kreise - nicht verlängert wird. 

Wozu auch? Kyoto bringt eine Reduzierung der globalen CO2-Emissionen der Industrieländer - ohne USA - um 5,2%, bezogen auf 1990. Allein die Steigerung der weltweiten CO2-Emissionen des Jahres 2010 waren größer. Sie betrugen 5% bezogen auf 2009. Da es 2009 sehr viel höhere Emissionen gab wie 1990, sind 5% Emissionssteigerung - aller Länder zusammen - mehr, wie 5,2% Einsparung nur der Industriestaaten. Man sieht daran, wie lächerlich die Einsparungen sind, aber auch wie sehr China und mit weitem Abstand, Indien und andere Schwellenländer nun auch zu den Emissionen beitragen. 

Man muss Kyoto also nicht nachweinen. Es muss etwas neues her, was sehr viel strenger und erfolgreicher ist. So wie sich die neue globale Bewegung nun aufstellt, besteht Hoffnung, dass sie dazu beitragen wird.

Übersicht über alle Aktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

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